Unterirdisch durch Heslach – wir geben nicht auf

Unterirdisch durch Heslach – wir geben nicht auf

Ist es möglich, die Stadtbahntrasse durch die Böblinger Straße in den Untergrund zu verlegen? Als die SPD-Fraktion im Bezirksbeirat vor über einem Jahr den Antrag stellte, die Stadtverwaltung diese Frage überprüfen zu lassen, gab es dafür nicht nur begeisterte Zustimmung. Von „unzeitgemäß“ bis „lächerlich“ lautete die Kritik der größten Fraktion des Gremiums. Ein Jahr später setzten wir das Thema wieder auf die Tagesordnung und fragten „Was wäre, wenn keine Stadtbahngleise die Böblinger Straße in Heslach zerschnitten, wenn die Bahn vom Marienplatz bis Kaltental unterirdisch verlaufen würde?“ Würde dies, wie die Stuttgarter Zeitung zitierte „die Lebensqualität erhöhen, Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen und Verkehrsprobleme entschärfen“? Unserer Ansicht nach unbedingt ja.

Wir haben eine Vision einer bewohnbaren Straße, einem Stadtteil, der attraktiv und menschenfreundlich ist. Von einer Straße, in der Lärm, Enge, tote Schaufenster und leerstehende Gebäude der Vergangenheit angehören.

Eine Böblinger Straße ohne Stadtbahngleise und ohne KFZ-Durchgangsverkehr (einspurige Einbahnstraße) würde Platz schaffen für großzügige Fuß- und Radwege, für Begrünung und Aufenthaltsräume, für Kindersicherheit und nicht zuletzt die Attraktivität für die Wiederansiedlung von Ärzten, Einzelhandel und Gastronomie deutlich erhöhen.

Der jüngste Einwand gegen die unterirdische Trassenführung klingt zunächst vernünftig und nachvollziehbar: Tunnelbau sei Betonbau und durch den Einsatz von Zement per se klimafeindlich. Es ist richtig, dass über fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes an Kohlendioxid aus der Zementproduktion stammen. Es ist richtig, dass das Bauen mit Beton ein Klimakiller ist, der jährlich mehr Kohlendioxid freisetzt als der weltweite Flugverkehr. Der Grund liegt in der Produktion von Zement, dem gängigsten Bindemittel der Bauindustrie. Nicht richtig ist, dass es im Tunnelbau zum Einsatz von Zement keine Alternative gibt. Seit Jahren wird nicht nur an einem Ersatzstoff für Zement geforscht (Technische Universität Darmstadt), in Stuttgart kam er sogar schon im Stuttgart-21-Tunnelbau zum Einsatz: Geopolymere, die vielleicht schon in naher Zukunft für einen umweltverträglichen Tunnelbau eingesetzt werden können. Solche Optionen sollten schon wenigstens ausgelotet werden, bevor eine naheliegende Lösung aus Unkenntnis der Alternativen in Grund und Boden kritisiert wird. Und wenn Kritikerinnen dann noch außer Acht lassen, dass die eigene Partei im Regionalparlament eine vielfach längere Tunnellösung für eine Bahn von Böblingen zum Stuttgarter Flughafen anstrebt …

Für uns ist das Thema Tieferlegung der Stadtbahn noch lange nicht vom Tisch. Es ist langfristig angelegt und damit auch offen für technische Fortschritte, die so manche der heute gerne bemühten Einwände obsolet machen. Und zukünftige soziale Fortschritte wie ein etwaiges Ende des Individualverkehrs in einem gedachten Übermorgen sind noch kein hinreichender Grund, auf Verbesserungsplanungen aus dem Heute fürs Morgen zu verzichten. Auch wenn wir durchaus wissen, dass es hier noch einiges an Recherchearbeit zu leisten gilt. (khd)

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